Herzensarbeit togge

Warum ist es so schwer, alte Geschichten loszulassen?

Diese Frage habe ich mir selber oft gestellt und stelle sie immer wieder dann, wenn Paare zu mir kommen, die schmerzlich an alten Geschichten leiden, die einst zwischen ihnen passiert sind.

Wir haben uns dermassen daran gewöhnt, in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu leben, dass wir dies oft gar nicht mehr bemerken.

Wir können nicht loslassen von alten, belastenden Geschichten und vergiften mit den einhergehenden negativen Gefühlen unsere Beziehungen. Oder andersherum: Wir tun alles, damit wir es später einmal schön haben können und verpassen dabei den gegenwärtigen Moment, den einzigen Moment, in dem die Liebe spürbar ist.

Die alten Geschichten: Warum fällt es uns so schwer, sie sein zu lassen und im gegenwärtigen Moment neu und frisch anzufangen? Ich versuche hier eine Annäherung an dieses komplexe Thema:

Der Grund ist meiner Ansicht nach der, weil sich beim Vorwerfen der negativen Ereignisse neben den offensichtlichen schwierigen Gefühlen auch immer positive Gefühle versteckt halten. Die sind uns in der Regel nicht bewusst.

Die folgenden Beispiele können dir dabei helfen, herauszufinden, was bei dir zutrifft oder zumindest von Ferne anklingt.

1.Wenn ich die alten, mühsamen Geschichten aufwärme, setze ich mich dadurch ins Recht und meinen Partner ins Unrecht. Das fühlt sich vorerst einmal gut an.

2.Wenn ich die alten Geschichten nicht vergesse, glaube ich, dadurch verhindern zu können, dass sie sich wiederholen. Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle.

3.Wenn ich an die alten Geschichten denke, fühle ich mich als Opfer von Ungerechtigkeit, schlechter Behandlung, Gleichgültigkeit, etc. Das fühlt sich insofern gut an, als dass ich dann sicher nicht Schuld daran habe, sondern der andere. Diese Unschuld und damit auch das Abgeben der Verantwortung an den Partner/Partnerin fühlen sich gut an.

4.Die alten Beschuldigungen, Enttäuschungen, Verletzungen aufzugeben und im Moment neu anzufangen fühlt sich ungewohnt, unsicher und ungemütlich an. Es ist einfacher und „heimischer“ beim Gewohnten zu bleiben. Sich nicht verändern zu müssen, fühlt sich gut an.

Beobachte dich gut und sei ehrlich zu dir!

Die Versuchung ist gross, zu sagen, über „solches Zeug“ bin ich längstens hinweg. Die Ressentiments von früher, die eine Entfaltung der Beziehung verhindern, sind oft sehr subtil, so wie auch die guten Gefühle, die sich darin versteckt halten.

Es kann ein Gefühl von Scham auslösen, wenn wir uns in diesen Mustern wiedererkennen. Dieses Gefühl möchte erkannt und ins Herz geholt werden. Es braucht vielleicht Verständnis, Mitgefühl und Erbarmen.

Wenn wir den Wunsch haben, uns zu reinigen von alten, schmerzhaften Geschichten und es bisher nicht geschafft haben, gilt es, dabei mehrere Ebenen zu betrachten:

 

  1. Lange gehegte negative Gefühlebelasten und beschweren unser Gemüt und auch unseren Körper! Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass körperliche Krankheiten zu einem wesentlichen Teil aus psychischen Belastungen entstehen.Damit habe ich viele eigene Erfahrungen gesammelt, die ich in einem der nächsten Artikel teilen werde.
  2. Wenn wir uns vor Augen führen, dass dieses Muster vor allem uns selber, aber auch unserem Partner und sicher unserer Beziehung schadet und wir dadurch keinen Millimeter weiter kommen, gibt uns dies vielleicht die nötige Kraft und Motivation, das Muster auf der Gefühlsebene anzugehen.
  3. Hier geht es darum, alle negativen Gefühle aus dieser alten Geschichte ins Herz zu holen: Die Verletzung, die Enttäuschung, die Wut, die Trauer, die Angst vor Wiederholung, das Gefühl, nichts wert zu sein, etc.
  4. Der Trick ist nun der, auch das versteckte positive Gefühl bewusst wahrzunehmen und ihm einen Platz im Herzen zu geben. Bei Muster 1: Ich fühle mich im Recht, weil der andere ja unrecht hat. Dieses gute Gefühl, im Recht zu sein, braucht Raum, Erlaubnis da zu sein, und vor allem, dass wir es als Gefühl erkennen, statt es für Tatsache zu halten. Wir FÜHLEN uns im Recht, dies ist ein Gefühl, keine Tatsache. Was nicht heisst, dass dadurch automatisch der andere im Recht ist. Auch bei ihm/ihr ist das „nur“ ein Gefühl.
  5. Wenn dieses positive Gefühl einen Platz in unserem Herzen bekommen hat, sind wir nicht mehr damit identifiziert und beziehen folglich keine Energie mehr daraus, Recht zu haben. Dies macht uns frei für einen neuen, bejahenderen Beziehungsentwurf.

Wenn alle negativen Gefühle und auch das positive Gefühl im Herzen versorgt sind, fällt es uns leichter, uns selber und der Beziehung eine neue Chance im Jetzt zu geben.

Wichtig ist es, jetzt zu prüfen: Wonach sehne ich mich denn?

Wie soll mein Beziehungsalltag aussehen? Was wünsche ich mir? Diese Sehnsucht im Körper fühlen und bewusst wahrnehmen!

Stell dir als letzten Schritt vor, die Sehnsucht sei erfüllt. Du sehnst dich z.B. nach mehr Nähe zu deinem Partner/Partnerin. Stell dir vor, wie ihr euch nahe seid und schöne Momente miteinander erlebt. Fühle dieses Gefühl im Körper. Gib ihm Raum und Anerkennung und pflege dieses Gefühl im Alltag. Fühle es in dir, so oft wie möglich. Unabhängig davon, was dir dein Partner gerade geben kann und was nicht. Kehre immer wieder zum schönen Gefühl zurück und nähre es in dir.

So beginnst du mit viel Geduld und Ausdauer eine neue, wunderbare Geschichte, die du selber in eigener Verantwortung und gemeinsam mit deinem Partner/Partnerin kreierst.

Herzlich

Anne-Katrin

 

 

 

 

 

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